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Warum dieser Blog? Nun, seit zwei Jahren sind mein Mann und ich Pflegeeltern von zwei ganz tollen kleinen Mädchen. Das war die größte und wichtigste Entscheidung unseres Lebens. Nicht nur die Entscheidung für ein Kind, sondern insbesondere die Entscheidung, Pflegeeltern zu werden. Seitdem bin ich „Mutter ehrenhalber“ und war noch nie im Leben so erschöpft. Aber auch noch nie so erfüllt von dem, was ich tue.

Ich möchte mehr Menschen dafür begeistern, Pflegeeltern zu werden. Pflegeeltern geben Kindern ein Zuhause und das ist ein wunderbares Gefühl. Aber nach zwei Jahren kann ich nur warnen: Dein Helfersyndrom muss Marathonläufer sein. Eine schnelle Bestätigung in Form von leuchtenden Kinderaugen gibt es nicht. Es ist nicht wie bei „Anne auf Green Gables“ oder „Annie“. Erwarte bloß keine Dankbarkeit von den halslosen Ungeheuern. Und klar, Pflegekinder bringen einen Rucksack voller Erfahrungen mit – meistens keine guten. Sie haben ihre Probleme, die andere Kinder vermutlich nicht haben. Vertrauen ist so eine Geschichte, Vertrauen in andere, aber auch Selbstvertrauen. Und genau darum sind es die vielen kleinen Erfolgserlebnisse, die einen den Marathonlauf durchstehen lassen!

Wie ist das so als Pflegefamilie? Keine Ahnung, wie ist es dann so als „normale“ Familie? Ich kann diese Frage ebenso wenig beantworten, wie die nach dem Leben als Regenbogenfamilie. Darum möchte ich einfach davon erzählen. Wir sind eine Familie – wir lachen, wir streiten, wir freuen uns und verzweifeln aneinander. Dumme Sprüche? Gab es bisher erstaunlich wenige. Damit rechnen müssen wir trotzdem.

Für mich ist tatsächlich die Rolle als Hausmann und Vater am schwierigsten, und da fühle ich mich alleinerziehenden Vätern näher als allen anderen Familien. Denn aktive Väter sind einfach nicht vorgesehen: es gibt keine Wickeltische auf öffentlichen Herrentoiletten, auf welches Klo soll ich als Papa mit zwei kleinen Mädchen gehen? Umkleiden im Schwimmbad, ein einziger Eiertanz. Verständnis der Gesellschaft, gleich Null. Kindererziehung ist immer noch Frauensache in Deutschland, das sehen zumindest Staat und Gesellschaft scheinbar sein. Die Realität in den meisten Familien sieht natürlich völlig anders aus und die Angebote gehen am Bedarf schlicht vorbei. Ganz abgesehen davon, dass „geschlechtsneutrale Toiletten“ für mich eine ganz andere Dimension bekommen haben. Jeder Vater, der einmal in einer öffentlichen Toilette ein kleines Mädchen an den Pissoirs vorbeigeführt hat oder auf dem Damenklo beschimpft wurde sollte erkannt haben, dass das Leben vielschichtiger und „bunter“ ist als man denkt – und das man das Problem eines anderen nicht belächeln sollte, bis man ein Stück des Weges in dessen Schuhen hinter sich gebracht hat.