…und plötzlich marschiert sie los

Die letzten Wochen ist unglaublich viel passiert. Wir gehen jetzt nämlich in die Schule. Also, das Schöne ist: unsere Große geht in die Schule und zwar ganz allein. Und plötzlich hat so ein Zwerg ein Eigenleben. Im Kindergarten ist man dauernd eingebunden, sieht die Erzieherinnen täglich, spricht mit ihnen, wird aufgefordert sich einzubringen… und plötzlich ist das vorbei. Ich habe im Grunde keine Ahnung, was das Kind den ganzen Vormittag so macht. Sie erzählt jedenfalls nix. Ich vermeide schon die Frage: „Wie war es in der Schule““ mit der üblichen Antwort: „Gut!“ Aber auch mit offenen Fragen kommt man nicht wirklich weiter. Aber wir vertrauen der Schule, wir vertrauen den Klassenlehrerinnen und vor allem vertraue ich meinem großen Schulkind.

Am Einschulungstag ist das kleine zarte Ding über sich hinaus gewachsen. Wir waren nervös, wir alle waren nervös. Doch ohne zu zögern setzte sie sich ohne uns zu den anderen Kindern ganz vorne in der Aula, als sie aufgerufen wurde marschierte sie los zu ihrer neuen Klassenlehrerin und war weg. Das Kind geht ihren Weg.

Da darf man auch mal etwas melancholisch werden. Zwei intensive Jahre haben wir investiert in Bindungsarbeit. In Aufholen von versäumten Dingen. In Vertrauen schaffen. In einander kennenlernen. In Familie werden. In Mut machen. Wir haben gelernt, einander lieb zu haben. Wir haben gemeinsam viel gelernt. Wir sind alle aneinander verzweifelt. Nur zwei Jahre hatten wir Zeit, und plötzlich läuft sie einfach ohne uns los. Das tat weh. Und machte unendlich stolz. Es hat sich gelohnt. Alles.

Der gemeinsame Weg wird weiter schwierig. Aber es stärkt uns, dass die erste nun schon ziemlich entschlossene Schritte auf ihrem eigenen Weg macht. Das soll sie tun. Wann immer wir ein Stück mitgehen sollen, tun wir das. Wann immer wir nur einfach zum Abschied winken und ihr so den Rücken stärken sollen, tun wir das. Vor allem aber wollen wir ihr Leuchtturm sein, den Weg weisen und den sicheren Hafen bieten. Jetzt. Die nächsten Jahre und darüber hinaus. Denn wer den hat, der traut sich auch weit hinaus aufs Meer.

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